Ein neugieriger Geist kann kaum durch etwas köstlicher unterhalten werden als durch einen Duft. Ein ganz und gar unerwartetes Aufscheinen einer Glückseligkeit – so ähnlich hat es der große Parfumeur Jean-Claude Ellena einmal formuliert (Der geträumte Duft, Berlin 2012).
Ein Duft ist immer Überraschung, er ist Emotion und riecht nicht nach Rose, sondern nach Verheißung. Ein Duft ist immer in Beziehung zu etwas, zu einem anderen Duft, zu einer Person, zu einer Tageszeit; Duft ist reines Drama. Er plaudert in der Nase das Geheimnis eines heiligen Verlangens, eines Vergnügens, eines Rausches aus.
Verführerisch, unschuldig und sinnlich, samtweich oder schwer. Dem Alltag abgerungen, ein bisschen frech vielleicht.
In der japanischen Philosophie sind Wohlgerüche Hinweise auf die Anwesenheit der Götter. Sie zeigen sich in Realpräsenz, als im Duft leiblich gewordener Geist, flüchtig und intim.